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Wer ist der Begründer Bobath-Konzeptes?

Das Bobath-Konzept ist ein rehabilitativer Ansatz in Therapie und Pflege von Patienten mit Schädigungen des Gehirns oder des Rückenmarks. Benannt ist es nach seinen Entwicklern Berta Bobath (1907–1991), einer Physiotherapeutin, und ihrem Ehemann, dem Neurologen Dr. Karl Bobath (1906–1991). Seit 1961 haben die Pioniere Dr. Köng und Mrs. Quinton in Bern (Schweiz) ihrerseits das Bobath-Konzept in der neurophysiologischen Therapie weiterentwickelt und angewandt und weltweit Anerkennung gefunden.

Was ist das Bobath-Konzept und worauf beruht es?

Das Konzept beruht auf der Annahme der „Umorganisationsfähigkeit“ (Plastizität) des Gehirns, das heißt, dass gesunde Hirnregionen die zuvor von den erkrankten Regionen ausgeführten Aufgaben neu lernen und übernehmen können. Häufig sind bei traumatischen Hirnschädigungen nicht die eigentlichen Kontrollzentren zerstört, sondern Verbindungswege unterbrochen, die mit konsequenter Förderung und Stimulation des Patienten durch alle betreuenden Personen neu gebahnt werden können.
Die Bobaths erkannten die Möglichkeiten, die sich durch die Plastizität des Gehirns ergeben. Verloren gegangene Funktionen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, können durch Vernetzung und Intensivierung anderer Hirnbereiche wiedererlangt werden. Hierzu werden Bewegungssequenzen durch repetitives Üben (ständiges Wiederholen) wieder „eingeschliffen“. Das heißt, es werden intakte Verbindungen (Synapsen) zwischen den Nervenfasern rekrutiert, so dass neuronale Funktionsverbände aufgebaut werden, um die motorische Funktion herzustellen.
Insbesondere nach einem Schlaganfall bei halbseitig gelähmten Menschen (Hemiplegikern) kann das Konzept gute Erfolge in der Rehabilitation erzielen. Es muss kritisch angemerkt werden, dass das Bobath-Prinzip im Gegensatz zu anderen Therapien, wie zum Beispiel der Forced Use Therapy (FUT), bisher nicht durch wissenschaftliche Studien als signifikant wirksam eingestuft wurde. Das Bobath-Konzept wird dennoch weltweit mit Erfolg angewandt.
Hemiplegiker neigen häufig dazu, ihre gelähmte (betroffene) Körperseite – bis zur völligen Leugnung – zu vernachlässigen und ihre Einschränkungen um so mehr mit ihrer beweglichen (nicht betroffenen) Körperseite zu kompensieren. Solche einseitigen Bewegungen helfen dem Patienten jedoch nur vordergründig, da die betroffene Seite nicht die Möglichkeit erhält, neue Informationen zu empfangen und zu verarbeiten. Das Gehirn erhält somit nicht die Aufgabe, sich umzustrukturieren. Statt dessen besteht auf Grund asymmetrischer Bewegungen eher die Gefahr, schmerzhafte Spastiken zu entwickeln.
Das Hauptprinzip des Bobath-Konzepts bezieht dagegen die betroffene Körperseite immer wieder in Alltagsbewegungen ein, indem sie sensorisch stimuliert wird, um sie in ihren Bewegungen mit der nicht betroffenen Körperhälfte in Einklang zu halten.

Die Begründer

Berta Bobath (1907–1991), geboren in Berlin, als Jüdin mit ihrem Sohn aus erster Ehe nach England emigriert, hat als Physiotherapeutin erkannt, dass sich Spastik durch verschiedene Bewegungen und Positionen beeinflussen ließ. Die Entwicklung des Bobath-Konzeptes begann etwa um 1943. Frau Bobath entdeckte bei der Behandlung schwer spastischer Patienten, dass die Spastik des Patienten durch bestimmte Lagerungen, Stellungen und Bewegungen nachließ oder sogar verschwand. Sie erkannte, dass Spastik nicht wie bisher allgemein angenommen eine feststehendes, konstantes Phänomen ist, sondern von der Stellung und der Bewegung des Körpers beeinflusst wird. Durch systematische Beobachtung vieler Patienten und Erprobung weiterer Behandlungstechniken entstand so das Bobath-Konzept als empirisches (auf Erfahrungen gestütztes) Behandlungskonzept.
Ihr Mann Karel (1906–1991)[1] studierte in seiner Geburtsstadt Berlin Medizin und legte dort 1932 sein erstes Staatsexamen ab. Nach 1933 durfte er als Jude in Deutschland kein Examen mehr ablegen und beendete sein Studium deshalb in Prag und Brünn. Nach der Besetzung Tschechiens durch die deutsche Wehrmacht 1939 flüchtete er von dort nach England, wo er „Bertie“ 1941 heiratete. 1951 gründeten sie ein privates Zentrum zur Behandlung von Patienten mit zerebralen Bewegungsstörungen. 1958 kamen sie nach langer Zeit erstmals nach Deutschland.
Karl Bobath hat den Überlegungen und Entdeckungen seiner Frau zunächst widersprochen, musste aber anhand seiner eigenen Studien feststellen, dass sie doch Recht hatte. Als Neurologe erarbeitete er die neurophysiologischen Grundlagen und wirkte mit ihr Jahrzehnte lang für die Verbreitung des Bobath-Konzepts.

Quelle: Auszüge aus der freien Onlinebibliothek Wikipedia


Auf den Spuren der Pionierarbeit von Dr. Köng und Mrs. Quinton und in eigenständiger Weiterentwicklung auf diesem Hintergrund arbeite und wirke ich in Bielefeld (NRW).


Nachruf auf Mrs. Mary B. Quinton, M.B.E. von Dr. Elisabeth Köng

Mary B. Quinton wurde am 1.12.1912 in Ipswich/Suffolk GB geboren. Ihr Vater war Zahnarzt in England und ihre Mutter stammte aus Schottland, wo sie gemeinsam mit ihrem Bruder eine glückliche Kindheit verbrachte. Später studierte Mary an der Rodean Public School in Brighton.
Sie absolvierte ihre Physiiotherapie-Ausbildung im St. Thomas-Krankenhaus in London und wurde 1935 als englische Physiotherapeutin ausgezeichnet. Nach 2-jährigen allgemeinen Erfahrungen in Ipswich und im East Sussex Krankenhaus kehrte sie als Angestellte in das St. Thomas-Krankenhaus zurück, arbeitete für verschiedene Abteilungen und übernahm die Verantwortung für Studenten im Praktikum. Während des 2. Weltkrieges wurde sie zusammen mit einem Kollegen nach Malta geschickt, um sich mit einer dortigen Poliomyelitis-Epidemie auseinanderzusetzen und die erste physiotherapeutische Abteilung der Insel aufzubauen. Sie liebte ihren Job . Zurück in England arbeitete sie im Wingfield Morris-Krankenhaus in Oxford, hauptsächlich mit Poliomyelitis Patienten (es gab 2 kleine Epidemien in dieser Gegend). 1952 kehrte sie wiederum an das St. Thomas-Krankenhaus in London zurück, diesmal verantwortlich für die Neurologie. Sie war allerdings schon bald auf der Suche nach einer neuen Herausforderung in einem unterentwickelten Land.

1957 traf ich Mary Quinton das erste Mal, als wir gemeinsam an einem 3-monatigen Kurs zur Behandlung von "Zerebraler Lähmungen" unter der Leitung von Bertha Bobath in London teilnahmen. Wir fingen gerade an, in der Schweiz ein Zentrum zur ambulanten Behandlung "Zerebraler Lähmungen" aufzubauen und waren auf der Suche nach Therapeuten. Mary Quinton wurde mir von Bertha Bobath empfohlen. Es war zunächst schwierig, sie von der Schweiz zu überzeugen, denn Ihrer Ansicht nach war die Schweiz zu der Zeit zwar noch nicht auf dem neuesten Stand zur Behandlung behinderter Kinder, aber zu der Zeit hatten die Länder, die im Krieg involviert waren, mehr Erfahrungen in der Rehabilitation! Schließlich erklärte Sie sich damit einverstanden für 1 Jahr nach Bern zu kommen. Sie kam im April 1958 an und blieb zum Glück in Bern und damit in der Schweiz.

Sie begann mit großem Engagement Kinder aller Altersstufen und Handicaps nach dem Bobath-Konzept zu behandeln. Sie war mit Ihrer Fantasie und Kreativität in der Lage, in ihre Therapiestunden Spaß und und Freude mit einfließen zu lassen, ohne dabei das Ziel der Anwendung aus den Augen zu verlieren. Dies wirkte auf die Kinder und deren Familien sehr motivierend. Sie hatte von Anfang an einen guten Kontakt zu den Eltern und lehrte sie mit viel Geduld, die Therapie in den Alltag zu integrieren (sie investierte hierzu oft sehr viel Zeit) und dabei immer die Persönlichkeit des Kindes zu beachten. Viele der Kinder machten bemerkenswerte Fortschritte.

Die Anzahl zerebral gelähmter Kinder nahm rapide zu, Wir begannen schon im Herbst 1959 nach unserem zweiten Kurs mit dem Segen der Bobaths in London, mit unseren eigenen Kursen in "Neurodevelopmetal Treatment Bobath" am Inselspital in Bern. Mary Quinton wurde eine ausgezeichnete Lehrerin. Obwohl sie durch die deutsche Sprache etwas benachteiligt war, gelang es ihr mit ihrem "Quinton-Deutsch" und ihrer ausdrucksstarken Körpersprache, ihr Anliegen den Studenten näherzubringen. Ihr Engagement, ihr Enthusiasmus und ihre Fähigkeiten wirkten sehr ermutigend auf sie. Sie nahm sich auch zusätzliche Zeit für diejenigen, die Schwierigkeiten hatten, die neue Aufgabe zu verstehen.

Die Behandlung von kleinen Kindern stellte eine neue Herausforderung für sie dar. Wie soll man dieselben Behandlungsprinzipien auf solche kleine Geschöpfe übertragen? Sie fand einen Weg, es war eine Pionier-Arbeit und die Resultate gingen weit über unsere Erwartungen hinaus. Zu unserer Überraschung wurde die Schweiz zum ersten Land, das für diese frühe Behandlungsform an Kindern stand. Mary schätzte Bertha Bobath sehr und war ihr auch sehr dankbar, denn von ihr hatte sie das Fudament ihrer faszinierenden Arbeit gelernt.

Von 1968 an wurden wir immer wieder gebeten, NDT-Kurse auch in anderen Ländern möglich zu machen, zuerst in Österreich, Frankreich und später auch im Jahre 1978 halfen wir bei der Ausbildung von NDT-Lehrtehrapeut/innen in den USA. Viele threoretisch orientierte Therapeuten lernten von Mary die Wichtigkeit der praktischen Erfahrungen.

Wir wurden auch ermutigt, spezielle Kurse für "Frühzeitige Behandlung", sogenannte Baby-Kurse zu geben. Wir stießen schnell auf große Nachfrage. Mary liebte es zu unterrichten. Ihr bei den Behandlungen zuzusehen dem wachsenden Dialog zwischen Therapeut und Kind , dem Augenkontakt mit dem Baby , dem Zusammenspiel ihrer Hände und den Reaktionen des Kindes, ihr kreatives Anpassungsvermögen auf neue Situationen wirkte sehr inspirierend. Es war sehr wichtig für sie zu sehen, dass die die Studenten ihre eigenen Körperbewegungen in vielen Situationen besser kennen lernten (normal und abnormal). Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass es für den Therapeuten und auch die Eltern leichter war, die Bewegungen nach Gefühl und nicht nach Verstand zu machen. Es ist bewiesen, dass die Überbringung natürlicher sensomotorischer Bewegungen auf diese Weise für das Kind weitaus erfolgreicher sind.

Nach ihrem Ruhestand im Jahre 1979 wurde Mary in viele Länder eingeladen, um Basis-Auffrischungs- und Babykurse zu geben. Mit anhaltendem Enthusiasmus unterrichtete Sie in West- und Ost-Europa, vor allem in Slovenien und Polen und auch in den USA, Canada, Mexiko, Brasilien und Süd-Afrika. Sie ließ sich voll und ganz auf die jeweiligen Probleme der Kinder, Eltern und Studenten vor Ort ein.

Mary realisierte allmählich, ein wundervolles Geschenk in ihren Händen zu halten, ein Geschenk Gottes, sowohl die Freude als auch die Verpflichtung es an die Kinder weiterzugeben. Durch die Liebe zu ihrer Arbeit und durch Gebete konnte sie ihre mit Lebhaftigkeit und Enthusiasmus gelegte Physiotherapie bis zu ihrer jüngsten Erkrankung weiterführen. Die Aktivitäten mit ihren Freunden von der St. Ursula Kirche nährten ihre spirituellen Bedürfnisse.

Mit Mary hatte man einen wundervollen Freund zum Arbeiten, Lösungen und positive Antworten zu finden, wie auch das Leben zu genießen. Wir haben viele Erinnerungen an Freunde, Kollegen und Studenten und deren Familien in England. Sie liebte es mit Menschen zu reden und zu lachen, Gechichten zu erzählen und sie hatte einen wunderbaren Humor.

Mary Quinton wurde zum M.B.E. (Member of the British Empire) nominiert, für ihren lebenslangen Beitrag durch die Berufung und Pionier-Arbeit in der ganzen Welt. Sie erhielt auch die Nonimierung der "Excellence of the American Neurodevelopment Treatmet Association (NDTA)" und als erste Physiotherapeutin die "Sunshine Medal", als Verdienst für ihren herausragenden Einfluß auf die Entwicklungsrehabilitation von Prof. Hellbrügge in München, wie auch die Ernennung zum ehrenamtlichen Mitglied der " European Bobath Tutor´s Association (EBTA)", der brit. Assocaition of Bobath Trained Therapists (BAB, TT), des Deutschen Verbandes der Bobath Therapeuten und des Schweizer Verbandes für Kurse in Neurodevelopmental Therapy (SAKENT).

Möge ihre Arbeit gemeinsam mit ihrer liebevollen Sorge lebendig bleiben und auch die nachvolgenden Generationen beeinflussen.

 

 

 

 

 

 

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